Do.. Jan. 15th, 2026

Der japanische Autobauer Honda muss seine Produktion in China und Japan vorübergehend einschränken. Grund dafür ist ein Mangel an wichtigen Halbleitern, der durch einen internationalen politischen Konflikt rund um den Chip-Hersteller Nexperia ausgelöst wurde. Die Auswirkungen zeigen erneut, wie verletzlich globale Lieferketten sind – auch für die Autoindustrie.

Honda hat angekündigt, die Produktion an mehreren Standorten in Japan am 5. und 6. Januar auszusetzen. Bis zum 9. Januar soll nur eingeschränkt gearbeitet werden. Betroffen sein könnten unter anderem Werke in Suzuka und Saitama, die vor allem Fahrzeuge für den heimischen Markt herstellen. Zusätzlich werden drei Fabriken in China bereits vom 29. Dezember bis zum 2. Januar geschlossen.

Auslöser ist der Mangel an sogenannten Legacy-Chips. Diese älteren Halbleiter sind zwar technisch nicht so fortschrittlich wie moderne Chips von Herstellern wie TSMC oder Samsung, aber sie sind unverzichtbar. In Autos steuern sie zentrale Funktionen wie elektrische Fensterheber, Servolenkung oder andere elektronische Systeme. Honda bezog viele dieser Bauteile von Nexperia, einem der weltweit grössten Produzenten solcher Chips.

Die Probleme begannen im Oktober, als die niederländische Regierung die Kontrolle über Nexperia übernahm. Zuvor gehörte das Unternehmen dem chinesischen Konzern Wingtech. Hintergrund waren Vorwürfe, dass unerlaubt Technologie aus den Niederlanden nach China transferiert worden sein könnte. In der Folge kam es zu politischen Spannungen zwischen Europa, China und den USA. China reagierte unter anderem mit Exportbeschränkungen für bestimmte Nexperia-Produkte, was die weltweite Autoindustrie direkt traf.

Auch andere Hersteller spüren die Folgen. Volkswagen und BMW mussten ihre Produktion bereits im Herbst drosseln. Branchenvertreter warnen seit Wochen vor einem erneuten Engpass bei Autochips. Da alternative Lieferanten nicht kurzfristig verfügbar sind, können Produktionsausfälle schnell mehrere Wochen dauern.

Zuletzt gab es zwar leichte Entspannungssignale. Nach Gesprächen zwischen der chinesischen und der US-Regierung durfte Nexperia einige Exporte wieder aufnehmen. Auch die niederländische Regierung zeigte sich bereit, ihre Kontrolle über das Unternehmen aufzugeben, sofern die Lieferketten stabilisiert und finanzielle Fragen geklärt werden. Dennoch sind viele Probleme noch ungelöst.

Der Fall Honda zeigt deutlich, wie stark Industrie, Geopolitik und Technologie miteinander verflochten sind. Selbst günstige und unscheinbare Chips können ganze Produktionslinien lahmlegen. Für die globale Wirtschaft – und auch für Investoren – bleibt der Halbleitermarkt damit ein zentraler Risikofaktor.

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