Mit den sogenannten Trump-Accounts führt die US-Regierung ab 2025 ein Programm ein, das das Verhältnis einer ganzen Generation zu Geld, Investitionen und Kapitalmärkten grundlegend verändern könnte. Jedes Neugeborene in den USA soll ein staatlich finanziertes Startkapital von 1000 US-Dollar erhalten, das automatisch investiert wird. Was auf den ersten Blick wie eine Geburtsprämie klingt, ist in Wahrheit ein langfristiges Investitionsprojekt mit politischer, sozialer und auch kryptoökonomischer Sprengkraft.
Kern der Idee ist einfach: Das US-Finanzministerium eröffnet für Kinder, die zwischen 2025 und 2028 geboren werden, ein Investitionskonto und zahlt darauf 1000 Dollar ein. Das Geld muss in einen breit gestreuten Indexfonds fliessen, der den gesamten Aktienmarkt abbildet. Ab dem 18. Lebensjahr dürfen die jungen Erwachsenen über das Kapital verfügen, etwa für Bildung, Wohneigentum oder andere Zwecke. Auch bereits geborene Kinder unter zehn Jahren können solche Konten erhalten, sofern ihre Familien zusätzlich investieren.
An der Wall Street wird das Projekt mit grosser Begeisterung aufgenommen. Banken und Vermögensverwalter sehen darin nicht nur Milliarden an frischem Kapital, sondern auch eine frühe emotionale Bindung der nächsten Generation an Finanzmärkte. Unterstützt wird diese Entwicklung zusätzlich durch private Akteure wie Michael und Susan Dell, die Milliardenbeträge zugesagt haben, um Millionen Kinder zur Nutzung dieser Konten zu motivieren. Aus Sicht der Finanzindustrie entsteht damit eine neue, staatlich angeschobene Anlegerbasis.
Doch das Programm hat auch eine Kehrseite. Finanziert werden die Trump-Accounts über die „Big Beautiful Bill“, ein umfassendes Steuer- und Ausgabenpaket, das unter anderem Kürzungen bei Sozialleistungen vorsieht. Kritiker weisen darauf hin, dass ärmere Familien kurzfristig belastet werden, während langfristig vor allem wohlhabendere Haushalte profitieren, die zusätzliches Kapital investieren können. Die Vermögensschere dürfte sich dadurch eher vergrössern als schliessen.
Spannend wird der Blick über den Aktienmarkt hinaus, insbesondere in Richtung Bitcoin. Auch wenn die Trump-Accounts derzeit ausschliesslich auf klassische Indexfonds beschränkt sind, prägen sie früh das Investitionsdenken junger Menschen. Wer mit 18 Jahren ein Depot besitzt und Marktschwankungen gewohnt ist, wird offener für alternative Anlageklassen sein. Bitcoin könnte davon indirekt profitieren, denn eine neue Generation von Anlegerinnen und Anlegern wächst heran, für die Investieren normal ist und digitale Vermögenswerte kein Fremdwort mehr darstellen.
Gerade in den USA, wo Bitcoin zunehmend als Absicherung gegen Inflation, Staatsverschuldung und geldpolitische Unsicherheit diskutiert wird, könnte dieser kulturelle Effekt langfristig relevant sein. Wenn Millionen junger Erwachsener gleichzeitig Kapital freisetzen und beginnen, eigene Anlageentscheidungen zu treffen, könnte ein Teil dieses Geldes in Kryptowährungen fliessen. Das allein würde den Bitcoin-Preis nicht explodieren lassen, könnte aber den strukturellen Nachfragedruck über Jahre hinweg erhöhen.
Der Investment Act rund um die Trump-Accounts ist damit mehr als ein sozialpolitisches Experiment. Er ist ein Signal dafür, dass der Staat aktiv an der Formung zukünftiger Investoren mitwirkt. Ob daraus mehr finanzielle Bildung entsteht oder vor allem neue Einnahmequellen für die Wall Street, bleibt offen. Klar ist jedoch: Eine Generation, die mit einem staatlichen Investment ins Leben startet, wird Märkte, Risiken und vielleicht auch Bitcoin anders betrachten als alle Generationen zuvor.







