So.. Dez. 14th, 2025

Die grösste US-Bank JPMorgan geht einen weiteren grossen Schritt in Richtung digitale Finanzwelt. Mit dem neuen Deposit-Token „JPM Coin“ (JPMD) bringt das Institut erstmals Bankeinlagen direkt auf die Blockchain – und macht sie rund um die Uhr übertragbar. Der Launch zeigt klar: Digitale Assets sind endgültig im traditionellen Banking angekommen.

Ein digitaler Dollar – aber kein Stablecoin

JPM Coin ist kein Stablecoin im klassischen Sinn. Stattdessen handelt es sich um eine tokenisierte Bankeinlage, also eine digitale Forderung gegenüber der Bank. Der Token spiegelt bestehende USD-Guthaben wider, kann Zinsansprüche tragen und ist zunächst nur für institutionelle Kunden gedacht.

Technisch basiert JPMD auf der Base-Blockchain von Coinbase, was schnelle Transaktionen in Sekunden ermöglicht – ein deutlicher Vorteil gegenüber klassischen Banküberweisungen, die von Geschäftsstunden, Cut-off-Zeiten und Interbankenprozessen abhängig sind. Mastercard, Coinbase und B2C2 begleiteten die Vorversuche.

Langfristig plant JPMorgan weitere Währungen, darunter einen Euro-Token namens JPME, sowie die Nutzung von JPM Coin als Collateral, etwa bei Partnern wie Coinbase.

Warum dieser Schritt wichtig ist

Mit JPM Coin zeigt eine der grössten Banken der Welt, wie Banken digitale Assets nicht nur verwahren, sondern aktiv nutzen wollen. Die Blockchain dient dabei nicht als Ersatz für das Bankensystem, sondern als Infrastruktur-Layer für moderne Geldbewegungen.

Für grosse Kunden eröffnet das:

  • Echtzeit-Überweisungen direkt auf dem JPMorgan-Netzwerk

  • Automatisierte Liquiditätssteuerung, ohne Wartezeiten

  • Tokenisierte Sicherheiten, die sich sofort bewegen lassen

Damit verschwimmt die Grenze zwischen traditionellem Banking und dem Blockchain-Ökosystem immer weiter.

Deposit-Token vs. Stablecoins: Der entscheidende Unterschied

Auch Schweizer Finanzhäuser wie UBS, PostFinance oder Sygnum testen bereits eigene Deposit-Token. Hintergrund ist der massive Stablecoin-Boom, der in den USA unter der aktuellen Administration sogar zur nationalen Priorität erklärt wurde.

Doch Stablecoins und Deposit-Token sind zwei völlig unterschiedliche Konstrukte:

Stablecoins

  • vollständig durch liquide Vermögenswerte wie Staatsanleihen gedeckt

  • 1:1-Besicherung gesetzlich vorgeschrieben (z. B. GENIUS Act in den USA)

  • Rücktausch ist in der Praxis durch die Federal Reserve abgesichert

Deposit-Token

  • tokenisierte Bankeinlagen

  • abhängig von der Bonität der Bank

  • Einlagen sind nur bis zur gesetzlich garantierten Limite versichert

Das bedeutet:
Im Extremfall – etwa einem Bankrun – wären Halter eines klassischen Stablecoins vermutlich besser geschützt. Stablecoin-Emittenten müssen liquide Reserven halten; Banken nicht zwingend. In der Schweiz sind Einlagen nur bis 100’000 CHF (esisuisse) abgesichert, in den USA bis 250’000 USD (FDIC).

Was bedeutet das für den Markt?

Mit JPM Coin wird klar:
Banken schaffen ihre eigene Token-Infrastruktur, statt sich auf externe Stablecoins zu verlassen.

Das könnte langfristig:

  • den institutionellen Zahlungsverkehr radikal beschleunigen

  • neue Märkte für tokenisierte Sicherheiten öffnen

  • den Wettbewerb zwischen Banken und Stablecoin-Emittenten verschärfen

Für das globale Finanzsystem ist es ein starkes Signal: Die Blockchain ist nicht mehr Experiment – sie ist Infrastruktur.

PostFinance testet „Deposit-Token“

 

 

By Christian Mäder

Publisher and Founder >> Christian Mäder auf LinkedIn

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