So.. Dez. 14th, 2025

Die Tokenisierung realer Vermögenswerte entwickelt sich zur nächsten großen Welle der digitalen Finanzwirtschaft. Während die ersten Blockchain-Jahre von Kryptowährungen und Spekulation geprägt waren, verlagert sich der Fokus spürbar in Richtung realwirtschaftlicher Anwendungen. Immer häufiger werden Immobilien, Fondsanteile, Anleihen oder Rohstoffe in digitaler Form auf der Blockchain abgebildet. Diese sogenannten Real World Assets versprechen, Effizienz und Transparenz aus der Krypto-Welt mit der Sicherheit regulierter Finanzmärkte zu verbinden – und die Schweiz spielt dabei eine zunehmend zentrale Rolle.

Ein Markt in Bewegung

Das Konzept hinter RWA ist ebenso einfach wie revolutionär: Reale oder finanzielle Vermögenswerte werden digital repräsentiert, wodurch sie handelbar, teilbar und programmierbar werden. Anleger können über Token Bruchteile eines Fonds oder einer Immobilie erwerben, ohne physische Übertragung oder komplexe Vertragsketten. Marktanalysen zeigen, dass die Tokenisierung im Jahr 2025 bereits ein Volumen von rund 600 Milliarden US-Dollar erreicht hat – mit Prognosen von bis zu 18,9 Billionen US-Dollar bis 2033. Besonders institutionelle Investoren und Vermögensverwalter nutzen die Technologie, um illiquide Anlageklassen handelbar zu machen und die Abwicklungskosten zu senken.

Dieser Trend verändert nicht nur die Kapitalmärkte, sondern auch die Infrastruktur, auf der sie basieren. Während Smart-Contracts Transaktionen automatisieren, schaffen digitale Verwahrungssysteme und spezialisierte Wallets die Verbindung zwischen Blockchain-Eigentum und rechtlicher Besitzstruktur.

Schweizer Rahmenbedingungen und rechtliche Grundlagen

Kaum ein anderes Land hat so früh auf die rechtliche Integration digitaler Vermögenswerte reagiert wie die Schweiz. Mit dem 2021 in Kraft getretenen DLT-Gesetz wurden sogenannte Registerwertrechte ins Obligationenrecht eingeführt. Sie bilden die Basis, um tokenisierte Finanzinstrumente rechtssicher zu übertragen und im Insolvenzfall zuzuordnen. Internationale Berichte der OECD und von KPMG nennen die Schweiz deshalb als eine der ersten Jurisdiktionen mit vollumfänglichem Rechtsrahmen für Distributed-Ledger-Technologien.

Im Oktober hat der Bundesrat neue Lizenzkategorien vorgeschlagen – darunter die sogenannte Payment Instrument Institution, die künftig digitale Zahlungs- und Verwahrleistungen rechtlich fassen soll. Bereits zuvor, am 18. März 2025, hatte die FINMA das erste DLT-Handelssystem lizenziert und damit einen konkreten Schritt zur Verbindung von klassischem Finanzmarkt und Blockchain-Infrastruktur gesetzt. Damit wird die Brücke zwischen klassischem Finanzmarkt und Blockchain-Infrastruktur weiter konkret. Damit entsteht eine regulatorische Brücke zwischen klassischem Finanzmarkt und Blockchain-Infrastruktur – ein Bereich, in dem die Schweiz durch ihre ausgeprägte Finanzkompetenz und ihr stabiles Rechtssystem strukturelle Vorteile besitzt.

Infrastruktur, Verwahrung und die Rolle spezialisierter Wallets

Damit Tokenisierung funktioniert, braucht es mehr als Gesetzestexte. Die technische Umsetzung – von der Emission bis zur sicheren Verwahrung – wird zur entscheidenden Stellschraube. In dieser Schicht übernehmen Wallet-Systeme zunehmend komplexe Aufgaben: Sie speichern nicht nur kryptografische Schlüssel, sondern verwalten digitale Eigentumsnachweise, Identitätsinformationen und Zugriffsrechte für tokenisierte Finanzinstrumente.

Die Sicherheit dieser Wallet-Infrastrukturen gewinnt dabei an strategischer Bedeutung. Neben Verschlüsselung und Multi-Signatur-Mechanismen werden zunehmend hardwaregestützte Lösungen und biometrische Zugriffssysteme eingesetzt, um digitale Vermögenswerte vor Verlust oder Manipulation zu schützen. Forschung und Aufsicht betonen, dass Wallet-Sicherheit künftig Teil der Gesamtregulierung digitaler Verwahrung werden muss.

Aktuelle Branchenbeispiele zeigen, wie breit die Anwendung inzwischen gefasst ist, im iGaming beispielsweise ist der Zugang niedrigschwellig. Zwar sind um mit Krypto in Online Casinos spielen zu können, technische Vorkenntnisse erforderlich. Neueinsteiger müssen sich in die Materie einarbeiten. Doch bei manchen Anbietern hat man die Option, Coins mit Fiat-Währungen direkt im Kassenbereich zu erwerben. So spart man sich den zusätzlichen Schritt über Ihre Wallet. (Quelle: https://www.pokerscout.com/de/casino/krypto-casinos/).

Für institutionelle Anwendungen entstehen dagegen spezialisierte Wallet-Lösungen, die Tokenisierung, Identitätsprüfung und Compliance-Mechanismen verbinden. Europäische Standardisierungsinitiativen im Rahmen der EU-Digital-Identity-Wallet-Architektur binden solche Funktionen bereits ein und definieren technische Schnittstellen für die Integration von Identitäts-, Zahlungs- und Token-Diensten. Wallets werden damit zu einer Art universeller Schnittstelle zwischen Nutzer, Blockchain und Aufsichtsstruktur.

In der Schweiz wiederum arbeiten Forschungseinrichtungen und Banken an Modellen, die Ausschüttungen oder Zinszahlungen direkt über diese digitalen Konten automatisieren.Auch quantensichere Hardware-Module und institutionelle Verwahrungslösungen sind in der Entwicklung, um höchste Sicherheitsanforderungen im Finanzsektor zu erfüllen – etwa durch Initiativen, die post-quantenkryptografische Halbleiter und Root-of-Trust-Technologien kombinieren (Quelle: https://www.globenewswire.com/de/news-release/2025/11/04/3179954/0/de/WISeKey-und-Schweizer-Armee-treiben-quantensichere-Satellitensicherheit-voran.html).

Die Kombination aus rechtlicher Klarheit und technischer Umsetzung verschafft der Schweiz eine Ausgangsposition, die über reine Krypto-Verwahrung hinausgeht. Sie ermöglicht es, digitale Assets mit realwirtschaftlichem Bezug – von Unternehmensanleihen bis zu Fondsanteilen – effizient zu strukturieren, zu handeln und zu überwachen.

Praxisbeispiele und Marktreife

Bereits heute werden in der Schweiz erste Immobilien- und Fondsprojekte vollständig auf der Blockchain abgebildet. Beratungsunternehmen wie EY und PwC bezeichnen die Schweiz als internationalen Pionier für die Tokenisierung realer Vermögenswerte. Gleichzeitig entstehen lizenzierte Handels- und Abwicklungsplattformen, die einen 24/7-Betrieb für tokenisierte Wertpapiere ermöglichen – ein Schritt, der klassische Börsenmodelle herausfordert. Laut Marktanalysen beträgt der globale Wert aller tokenisierten Assets Mitte 2025 rund 31 Milliarden US-Dollar, Tendenz steigend. Auch wenn dieser Anteil im Vergleich zu traditionellen Märkten noch klein ist, wird das Wachstum von großen Finanzinstituten, Versicherern und Infrastrukturbetreibern aktiv vorangetrieben.

Die Schweiz profitiert dabei von kurzen Entscheidungswegen, einem innovationsfreundlichen Regulierungsumfeld und der engen Verzahnung zwischen Technologie-Start-ups und etablierten Banken. Diese Struktur ermöglicht es, Pilotprojekte schnell in marktfähige Produkte zu überführen – ein Vorteil gegenüber größeren, fragmentierteren Märkten.

Trotz dieser Fortschritte bleibt der Markt für Real World Assets noch jung. Die OECD verweist auf offene Fragen bei Standardisierung, Interoperabilität und Liquidität. Viele Projekte befinden sich in der Test- oder Pilotphase, insbesondere im Hinblick auf sekundäre Handelsplattformen und die Einbindung institutioneller Anleger. Auch rechtliche Zuordnung, Datenschutz und die Verbindung zu internationalen Abwicklungsnetzen werden über die kommenden Jahre den Takt bestimmen.

Doch der Übergang von der Krypto-Welt zur tokenisierten Realwirtschaft hat begonnen, und die Schweiz steht dabei in der ersten Reihe.

weitere Quellen:

https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2025/01/tokenisation-of-assets-and-distributed-ledger-technologies-in-financial-markets_be149012/40e7f217-en.pdf

https://www.enisa.europa.eu/publications/enisa-threat-landscape-2025

https://www.europeanpaymentscouncil.eu/sites/default/files/kb/file/2025-03/EPC342-08%20v15.0%20Approved%20-%20Guidelines%20on%20Cryptographic%20Algorithms%20Usage%20and%20Key%20Management%20%281%29.pdf

https://ec.europa.eu/digital-building-blocks/sites/spaces/EBSI/pages/447687044/Home

https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/asset-management/tokenisierung-im-asset-und-wealth-management.pdf

https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/european-blockchain-services-infrastructure

https://ec.europa.eu/digital-building-blocks/sites/spaces/EUDIGITALIDENTITYWALLET/pages/900014854/Version%2B2.0%2Bof%2Bthe%2BArchitecture%2Band%2BReference%2BFramework%2Bnow%2Bavailable

https://ec.europa.eu/digital-building-blocks/sites/spaces/EUDIGITALIDENTITYWALLET/pages/694487738/EU%2BDigital%2BIdentity%2BWallet%2BHome

https://reports.weforum.org/docs/WEF_Asset_Tokenization_in_Financial_Markets_2025.pdf

https://www.pwc.ch/en/insights/fs/tokenisation-the-catalyst-for-disruption.html

https://www.ey.com/de_ch/insights/real-estate-hospitality-construction/tokenization-from-illiquid-to-liquid-real-estate-ownership

https://www.oecd.org/en/publications/tokenisation-of-assets-and-distributed-ledger-technologies-in-financial-markets_40e7f217-en.html

https://assets.kpmg.com/content/dam/kpmgsites/ch/pdf/kpmg-blockchain-report-2024.pdf.coredownload.pdf

https://fintechnews.ch/blockchain_bitcoin/tokenized-real-world-assets-market-expected-to-reach-us18-9-trillion-by-2033/75606/

https://www.reuters.com/markets/europe/unit-stuttgart-bourse-gets-ok-blockchain-based-trading-system-switzerland-2025-03-18/

https://www.finma.ch/de/~/media/finma/dokumente/dokumentencenter/8news/medienmitteilungen/2025/03/20250318-mm-dlt-handelssystem.pdf

https://www.finma.ch/news/2025/03/20250318-mm-dlt-handelssystem/

https://www.fedlex.admin.ch/eli/oc/2021/400/de

https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=84035

https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=81563

https://www.sif.admin.ch/de/dlt-blockchain

https://www.bk.admin.ch/ch/d/pore/rf/cr/2019/20192205.html

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