Sa. Aug 20th, 2022

Es gibt viele Menschen ohne Bankkonto, sogenannte „Unbanked People“. Gemäss einer Schätzung nach leben alleine 2 Milliarden Menschen ohne Bankkonto in sogenannten Emerging Markets, also Schwellenmärktemärkte, Ländern und Städte wo die Wirtschaft rasant wächst.

Die Bevölkerung wächst, die Preise und oft auch die Löhne steigen an und somit erhöhen sich auch die Einkommen. Zusammen mit der Modernisierung und Digitalisierung steigt der Bedarf nach einem Bankkonto und anderen Finanzdienstleistungen. Leider können gerade in derartigen Ländern nicht alle ein Bankkonto eröffnen. Und genau an diesem Punkt möchte das Unternehmen Humaniq ansetzen. Humaniq plant Finanzdienstleisungen wie Versicherungen, P2P Kreditvergabe und Dienstleistungen diverser Drittanbieter für Leute ohne Bankkonto anzubieten.

Warum haben „The Unbanked“ kein Bankkonto?

In Vietnam leben über 30% der Menschen ohne Bankkonto. Bei 90 Millionen Einwohnern sind das immerhin 30 Millionen. In Kambodscha, so schätzt man, sollen es sogar über 45% sein. Warum haben diese Leute kein Konto? Nicht selten trauen diese Leute den Banken nicht mehr. Weil sie durch einen Krieg oder einen Regimewechsel mal alles verloren hatten. In anderen Fällen fehlt es an Bildung sowie Informationen und manchmal gibt es auch einfach keine Bank in der Nähe. In Brasilien leben an die 50 Millionen Menschen die 100 km oder weiter bis zur nächsten Bankfiliale zurücklegen müss(t)en. In den Phillipinen gibt es mehr als 7’000 Inseln und wohl nur auf einem Bruchteil dieser Inseln gibt es Banken.
In ganz vielen Fällen möchten die Menschen allerdings ein Bankkonto, werden aber von den Banken abgelehnt. Weil sie keinen permanenten Wohnsitz haben, diesen nicht bestätigen können oder weil sie keine Identitätspapiere wie beispielsweise Pass oder Identitätskarte haben. Aber selbst wenn alle Papiere stimmen, manchmal lehnen die Banken auch grundlos Anträge ab; unbegründet.

Ethereum Humaniq Banking

Humaniq, Bitcoin und Fintech

Bitcoin kann eine Lösung sein. Denn viele dieser Unbanked People haben zwar kein Bankkonto, aber ein Smartphone. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis diese Leute Bitcoin entdecken, verstehen und sehr wahrscheinlich auch nutzen werden. Genau an diesem Punkt möchte Humaniq ansetzen: Zusätzlich zu „reinen“ Bitcointransaktionen plant Humaniq eine Banking App, die viele weitere Dienste, auch von Drittanbietern, vereint. Diese App basiert auf der intelligenten Ethereum Blockchain. Die App ist bereits in Entwicklung und diese App ist das Schlüsselprodukt von Humaniq: Diese App lässt sich via Bioemtrischen Daten absichern und dieser Identifikationsprozess soll Papiere wie Pässe und Identitätskarten ersetzen. Humaniq möchte sich mit einem Crowdsale, der am 6. April starten soll(*), finanzieren. Eigentlich sollte das Crowdfunding bereits Anfang dieses Jahres über die Bühne gehen. Nun wollen sich die Macher aber nochmals etwas Zeit geben und sich mit den Chinesischen Regulierer und Interessenten treffen. Denn gerade aus diesem Land sollen starke Partner Interesse bekundet haben, gemäss Aussagen des Humaniq CEOs:

“I’ve been in close contact with our Chinese partners, and our internal information shows us that there is strong interest in this ICO among Chinese blockchain community members. Therefore, we’re going to show some solidarity and good faith to our friends in China, and push back the ICO so that they don’t miss out on early investor rewards,”

Wer mehr von Humaniq erfahren möchte, dem sei die BlockShow Europe 2017 empfohlen (30% Rabatt mit dem Code BITCOINSCHWEIZ). Dort ist Humaniq vor Ort und sponsert unter anderem ein Startup-Hackaton.

Video: What is Humaniq

Quellen

[1] http://www.act.org.kh/launching-citizenship-rights-of-khmer-krom-in-cambodia-jan2017/
[2] https://blog.humaniq.co/

(*) Diese soll nicht als Investment Tipp verstanden werden, fast sämtliche Informationen stammen aus einer Pressemitteilung von Humaniq selber.

Foto (c) Humaniq

By Christian Mäder

Publisher and Founder >> Christian Mäder auf LinkedIn

4 thoughts on “Humaniq: Banking für Alle!”
  1. > Warum haben diese Leute kein Konto? Nicht selten trauen diese Leute den Banken nicht mehr.

    Bitte was? Es ist natürlich andersrum. Die Menschen *bräuchten* ein Bankkonto, aber kriegen keins, weil Banken nicht verpflichtet sind, Services bereitszustellen. Es ist ja auch mit Aufwand und Kosten verbunden, Identitäten festzustellen und zu überprüfen zwecks AML/KYC, was sich hierzulande aber leicht ammortisiert, nicht aber in Entwicklungsländern. Aber genau deswegen bekommt man meist auch hier in der westlichen Welt nur ein Konto, wenn man regelmäßiges Einkommen nachweisen kann.

  2. Es kommt auf die Region an. In Südvietnam verloren viele Menschen nach dem Krieg ihr Hab und Gut und in Kambodscha wurde die Staatswährung inklusive Zentralbank unter dem Kommunistischen Regime für einige Jahre gar komplett abgeschafft. Bei älteren Menschen ist daher das fehlende Vertrauen, insbesondere in private Finanzinstitute, ein Grund keine Konten (mehr) zu eröffnen. Dies weiss ich aus erster Hand, da ich insbesondere auf dem Land in besagten Ländern mit älteren Menschen genau darüber gesprochen habe. In den USA selbst sind 7% der Bevölkerung unbanked, auch da spielt das fehlende Vertrauen eine Rolle [1]. Aber ich gebe Ihnen recht. Ein ganz wichtiger Grund ist: Für viele Menschen einfach nicht möglich ein Konto zu eröffnen, da sie von den Banken als Kunde nicht akzeptiert werden. Zu tiefe Einkommen, fehlende Wohnsitzbestätigung, Identitätspapiere usw. Als Angehöriger der Vietnamesischen Minderheit in Kambodscha bekommt man neuerdings eine Identitätskarte, kostenlos. Aber ein Bankkonto ist dennoch nicht möglich, wenn die Adresse ein Hausboot auf dem Mekong oder Tonle Sap River ist. Auf jeden Fall kann man sich fragen, ob die bestehenden KYC und AML-Richtlinien nicht mehr Schaden anrichten denn Nutzen stiften. Vielen Dank für den Input, ich gehe dieser Sache weiter nach, dazu lassen sich sicher aussagekräfitge Studien (UNO, IWF, Worlbank uvm.) finden.

    Aus meiner Sichtweise ist der Ansatz von Humaniq gerade deswegen extrem interessant, da es sich hierbei nicht einfach um „just another Bitcoin Wallet“ handelt, sondern Finanzdienstleistungen von Drittanbietern mit (Bio)Identifikation kombiniert werden sollen. Eine App, die einerseits den Banken und Finanzdienstleister dank der Blockchain relativ fälschungssichere Identitäten zur Verfügung stellt und andererseits dank Schnittstelle auch den Anforderungen von Regierungen und Regulierer gerecht wird. Und obendrauf dank geringerer Hürden die Eröffnung eines Accounts vereinfachen. Ich für meinen Teil bin sehr gespannt, wie dies dann in der Praxis aussieht. Welche Daten sind der Primary Key für eine Identität, welche Daten werden an wen und über welche Schnittstelle weitergegeben usw.

    [1] https://www.fdic.gov/householdsurvey/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

X