So.. Dez. 14th, 2025

Viele Menschen in der Schweiz lassen ihr Geld auf einem Konto liegen und verschenken damit Renditechancen. Wer über Finanzwissen, Vermögen und Selbstvertrauen verfügt, investiert häufiger und baut über die Jahre deutlich mehr Vermögen auf. Weniger gebildete Personen sowie solche, die Angst vor Verlusten haben und Anlegen als kompliziert wahrnehmen, legen hingegen seltener an.

Warum Anlegen wichtig ist

Anlegen in Wertschriften ist entscheidend für den Vermögensaufbau und damit auch für die Altersvorsorge. In den letzten 30 Jahren erzielten Aktien in der Schweiz eine durchschnittliche Jahresrendite von rund 8 %, während Spargelder lediglich etwa 0,9 % pro Jahr einbrachten. Dies verdeutlicht, wie stark die Wahl der Anlageform den Vermögensaufbau beeinflusst. Dennoch legen mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer nicht an – weder im freien Vermögen noch in der gebundenen Vorsorge (Säule 3a) oder beim Kapitalbezug aus der Pensionskasse. Das zeigt eine neue Studie der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit der Luzerner Kantonalbank AG (LUKB).

Angst vor Verlusten bremst Investitionsbereitschaft

«Ungleichheiten verstärken sich beim Anlegen», erklärt Studienautor Simon Amrein. «Gerade Menschen mit weniger Vermögen haben am meisten Angst vor Verlusten – und wer mehr Angst vor Verlusten hat, verfügt häufig über weniger Finanzwissen.» Mit dem starken Fokus auf das Konto verpassen diese Personen langfristig Chancen auf höhere Renditen, die für den Vermögensaufbau wichtig wären. Besonders bei Pensionierten zeigt sich die «Konto-Orientierung» deutlich: Jede vierte Person, die sich Geld aus der Pensionskasse auszahlen liess, legte mindestens die Hälfte davon einfach auf ein Sparkonto – vor allem Menschen mit geringerem Einkommen und Vermögen.

Rat wird oft nicht befolgt

Ein weiteres Problem: Selbst wer sich beraten lässt, handelt oft nicht danach. Die Hälfte aller Pensionierten holte sich zwar Rat zum Thema Vorsorge, doch 42 % setzten die Empfehlungen gar nicht oder nur teilweise um. «Die Kluft zwischen Beratung und Handeln überrascht uns», sagt Simon Amrein.

«Es zeigt sich: Rationale Argumente allein reichen nicht. Der Wahrnehmung, dass Anlegen komplex ist, sollen Finanzdienstleister mit einfachen Produkten begegnen. Beraterinnen und Berater müssen die emotionale Ebene ernst nehmen und Vertrauen aufbauen.»

Gender Gap hat andere Ursachen als Geschlecht

Die Studie bestätigt: Männer investieren häufiger als Frauen. Rund sechs von zehn Männern legen ihr Geld an, bei Frauen sind es nur vier von zehn. Die Unterschiede sind jedoch weniger auf das Geschlecht selbst zurückzuführen, sondern auf Faktoren wie Risikoneigung, Finanzinteresse und den Umgang mit Unsicherheit.

«Geschlechterspezifische Finanzprodukte sind nicht die Lösung»

erklärt Amrein.

«Der Fokus sollte auf einer vertieften Erfassung der Risikoaversion liegen sowie auf dem gezielten Ansprechen der Vorstellungen zur Komplexität von Wertschriftenanlagen und dem dafür nötigen Finanzwissen und Aufwand.»

Säule 3a als Türöffner für Gen Z

Die Studie zeigt zudem, dass die Säule 3a für viele den Einstieg ins Anlegen und Vorsorgen darstellt. Ihre Einfachheit und Verbreitung fördern den Zugang zum Investieren und ermöglichen langfristigen Vermögensaufbau. Drei von vier Personen in der Schweiz verfügen über eine Säule 3a. Besonders bei der Generation Z (18- bis 28-Jährige) zeigt sich ein wachsendes Interesse: 61 % investieren innerhalb der 3a-Vorsorge in Wertschriften – deutlich mehr als im freien Vermögen (38 %).

Wachsende Bedeutung individueller Beratung

Die Mehrheit der Bevölkerung möchte künftig aktiv über den Bezug und die Anlage ihres Vorsorgekapitals aus der Pensionskasse entscheiden. Fast zwei Drittel der noch nicht Pensionierten planen, ihre Pensionskassengelder teilweise oder vollständig in Kapitalform zu beziehen. Damit steigt der Beratungsbedarf deutlich. Drei von vier Befragten wünschen sich eine persönliche Pensionierungsberatung. Für Banken gewinnt die private Vorsorge dadurch zunehmend an strategischer Bedeutung.

«Vorsorge wird in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Beratungsthemen für Banken»

bestätigt Dr. Anastasia Steinberger von der LUKB.

«Viele Menschen möchten ihre finanzielle Zukunft aktiver gestalten, sind dabei aber auf Orientierung und fachliche Begleitung angewiesen. Eine persönliche Vorsorge- und Anlageberatung schafft Vertrauen und ermöglicht nachhaltige Lösungen für Kundinnen und Kunden.»

 

Quelle:

By Christian Mäder

Publisher and Founder >> Christian Mäder auf LinkedIn

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