Europa zieht die Reißleine. Immer mehr Regierungen und Behörden verabschieden sich von amerikanischen Tech-Giganten wie Microsoft, Google oder Amazon – und setzen stattdessen auf offene, europäische Softwarelösungen. Was einst wie ein Idealismus-Projekt klang, wird nun zur handfesten Strategie: digitale Souveränität.
Beim diesjährigen OpenInfra Summit in Paris war nicht Künstliche Intelligenz das große Thema, sondern die Frage, wie Europa seine digitale Zukunft selbst in die Hand nimmt. Thierry Carrez von der OpenInfra Foundation brachte es auf den Punkt:
„Wir wollen Resilienz, keine Isolation. Open Source erlaubt uns, souverän zu sein – ohne uns abzuschotten.“
Tatsächlich wächst der Wunsch nach Unabhängigkeit rasant. In den letzten Monaten haben gleich mehrere EU-Regierungen den Wechsel vollzogen: Das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein ersetzt Microsoft Outlook durch Open-Source-Mailprogramme, Österreichs Wirtschaftsministerium arbeitet jetzt mit einer Nextcloud-Lösung auf heimischen Servern, und Frankreich baut mit NUBO sogar eine eigene souveräne Cloud-Infrastruktur auf.
Die Gründe sind vielfältig. Einerseits sorgt das schwindende Vertrauen in US-Konzerne und deren Umgang mit Daten für Unruhe. Andererseits treiben steigende Lizenzpreise und politische Spannungen zwischen den USA und der EU den Wandel an. Viele wollen keine sensiblen Daten mehr über amerikanische Server leiten – schon gar nicht in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten.
Der neue Trend spielt europäischen Unternehmen wie OVHcloud, Deutsche Telekom (Open Telekom Cloud) oder SUSE in die Karten. Sie bieten Cloud-Dienste und Softwarelösungen an, die auf Open Source basieren und damit transparent, sicher und anpassbar sind. Auch neue Initiativen wie „EuroStack“ fordern klar: Buy European, Sell European, Fund European.
Natürlich läuft nicht alles reibungslos. Der Umstieg des österreichischen Justizministeriums von Microsoft Office auf LibreOffice zeigt, dass fehlende Planung zu Chaos führen kann. Trotzdem beweist das Beispiel des Wirtschaftsministeriums, dass es auch anders geht: Mit Nextcloud schaffte man den Wechsel in nur vier Monaten – ohne größere Störungen.
Amerikanische Diplomaten sehen diese Entwicklung kritisch, doch Europa bleibt standhaft. Immer mehr Unternehmen und Behörden erkennen, dass Open Source mehr als nur eine technische Alternative ist – es ist eine politische Entscheidung für Unabhängigkeit, Transparenz und Zukunftsfähigkeit.
Was einst als nerdiges Nischenprojekt begann, wird jetzt zum Herzstück der europäischen Digitalpolitik. Open Source ist kein Trend – es ist Europas Antwort auf Big Tech.






