Vietnam hat Anfang September den bislang härtesten Schritt seiner Bankenregulierung umgesetzt: Mehr als 86 Millionen Bankkonten wurden geschlossen, weil ihre Besitzer die neuen biometrischen Anforderungen nicht erfüllt haben. Ein Großteil der verbleibenden 113 Millionen Konten wurde inzwischen mit Gesichts- und Fingerabdruckdaten verknüpft. Die Maßnahme soll Betrug und Geldwäsche eindämmen, sorgt aber zugleich für einen Sturm der Kritik – vor allem aus der Bitcoin-Community.
In vietnamesischen Medien hieß es bereits im Juli, dass die Schließungen ab dem 1. September beginnen würden. Besonders betroffen sind Ausländer, die nicht mehr im Land leben und ihre Konten nicht vor Ort aktualisieren konnten. Ein ehemaliger Contractor berichtete auf Reddit, er habe extra nach Vietnam fliegen müssen, nur um sein HSBC-Konto zu retten. Fernlösungen wie eine Online-Verifizierung gibt es nicht.
„Das ist 2025 absurd. Man kann sein Geld nicht bewegen, ohne persönlich vor Ort zu erscheinen. Wenn nicht, wird das Konto einfach geschlossen“
schrieb er.
Bitcoin-Befürworter sehen darin eine Bestätigung ihrer Argumente: Zugang zu Geld sollte nicht vom Staat oder Banken diktiert werden, sondern durch dezentrale, erlaubnisfreie Systeme wie Bitcoin gesichert sein. Kommentator Marty Bent erklärte:
„Wer bis zum 30. September nicht mitmacht, verliert sein Geld. Genau deshalb gibt es Bitcoin.“ Auch der Umweltaktivist Daniel Batten betonte, dass Vietnams Zentralbank mit den biometrischen Anforderungen „eine nächste Generation finanzieller Überwachung“ etabliere.
Vietnam just froze 86m bank accounts because account holders didn’t comply with new biometrics laws that require a face scan or fingerprint for account verification.
If users don’t comply by the 30th they’ll lose their money. This is why we bitcoin. https://t.co/hIK30vn1XR
— Marty Bent (@MartyBent) September 18, 2025
Thailand sperrt rund 3 Millionen Bankkonten
Vietnam ist mit dieser Politik nicht allein. Nur wenige Tage zuvor meldete Thailand die Sperrung von rund 3 Millionen Bankkonten, angeblich um sogenannte „Mule Accounts“ von Betrügern einzufrieren. Doch die harten Maßnahmen trafen auch unschuldige Händler und normale Kunden, deren tägliche Überweisungen plötzlich blockiert wurden.
The Bank of Thailand just froze 3 million bank accounts overnight & capped transfers at $1.3k–$5.5k/day to fight scams.
You can’t freeze bitcoin. pic.twitter.com/J4PzTyd6CC
— Sasha Hodder (@sashahodler) September 14, 2025
Während die Regierungen ihre Schritte mit wachsender Cyberkriminalität und KI-basierten Betrugsfällen rechtfertigen, sehen Kritiker darin den Einstieg in eine Ära strikter Kapital- und Verhaltenskontrolle. Schon in Ländern wie Libanon, Zypern oder Nigeria mussten Bürger erleben, wie schnell staatliche Maßnahmen den Zugriff auf das eigene Geld einschränken können.
Vietnam treibt gleichzeitig den Weg in eine bargeldlose Wirtschaft voran. Schon 2024 erreichte das Volumen von bargeldlosen Transaktionen laut Zentralbank das 26-fache des nationalen BIP. Mit QR-Codes, Mobile-Banking und Projekten wie der staatlichen „Projekt 06“-Datenbank werden Millionen Menschen auf biometrisch abgesicherte digitale Zahlungen umgestellt. Parallel tritt Anfang 2026 ein neues Gesetz zur Digital Technology Industry in Kraft, das erstmals auch Kryptowährungen rechtlich definiert.
Doch für viele bleibt die Lehre eine andere: Banken können Konten schließen, Bitcoin nicht. Wo staatlich kontrolliertes Geld an biometrische Auflagen, Fristen und Grenzen geknüpft ist, bietet Bitcoin einen Ausweg – Zugang garantiert nicht durch eine Gesichtserkennung, sondern durch Mathematik.
Quellen:
- Cointelegraph: Why we Bitcoin — Vietnam closes 86M bank accounts that fail biometrics
- Which Way, Anon?
- Why We Bitcoin: Vietnam Shuts 86M Accounts, Thailand Freezes 3M — Asia Wakes Up
- Bitget Corporate Blog: Thailand’s citizens are waking up to frozen bank accounts: Bitcoin anyone?
- Bangkok Post: Innocent victims of the mule crackdown







