Fr.. Jan. 23rd, 2026

Während sich die öffentliche Diskussion noch stark um generative KI wie ChatGPT, Google Gemini oder Grok von X.ai dreht, sieht die Denkfabrik Diplomatic Council, die zum engsten Beraterkreis der Vereinten Nationen zählt, die Zukunft in einem anderen Feld: Real-World AI. Gemeint ist die „Künstliche Intelligenz in der realen Welt“ oder auch „Physical AI“, die tief in Industrieprozesse, Kommunalverwaltung und Infrastruktur eingebettet wird. Die Bandbreite reicht von Fertigungsrobotern und humanoiden Assistenzsystemen über KI-gestützte Qualitätskontrolle, autonome Logistik und medizinische Diagnostik bis hin zu Smart Cities.

Ein zentrales Forum dieser Entwicklung bildet das Real-World AI Forum im Diplomatic Council, das am 22. September 2025 zur kostenfreien Online-Konferenz Smart City Summit einlädt.

Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA) und Co-Chair des Real-World AI Forum im Diplomatic Counc
Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA) und Co-Chair des Real-World AI Forum im Diplomatic Counc

Smart City als Vorreiter

„Der wahre Wert von KI liegt nicht im Hype um die Generierung von Texten, Bildern und Videos, sondern in ihrer tiefgreifenden Integration in die Kernprozesse der Industrie und der Kommunen“

betont Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA) und Co-Chair des Real-World AI Forum.

Sein Mitvorsitzender Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer der Kölner dataMatters GmbH, illustriert dies am Beispiel Smart City: Durch die KI-gestützte Optimierung der Abfallwirtschaft ließen sich bis zu 20 Prozent der Kosten sparen und die CO₂-Emissionen um 30 Prozent senken. Intelligente Ampelsteuerungen und vernetzte Verkehrsleitsysteme reduzierten Staus und Schadstoffe, während Smart-Building-Technologien laut McKinsey-Studien den Energieverbrauch öffentlicher Gebäude um bis zu 15 Prozent verringern könnten.

Besonders eindrücklich sei die Optimierung des ÖPNV. Sensorik in Bussen und Bahnen erfasse präzise die Auslastung, eine KI werte die Daten in Echtzeit aus und schlage sofortige Anpassungen vor. Das Ergebnis: zielgenauer Einsatz, höhere Akzeptanz bei den Bürgern, sinkende Kosten und eine spürbare Entlastung für Umwelt und Infrastruktur.

Intelligente Zerspanung: KI in der Industrie

Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer der Kölner dataMatters GmbH und Co-Chair des Real-World AI Forum im Diplomatic Council
Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer der Kölner dataMatters GmbH und Co-Chair des Real-World AI Forum im Diplomatic Council

Dr. Trauth nennt die „intelligente Zerspanung“ als weiteres Schlüsselbeispiel. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IPT Aachen arbeitet dataMatters daran, Fertigungsprozesse durch KI präziser und kostengünstiger zu machen. In Industriezweigen wie der Automobil- und Medizintechnik entscheiden wenige Millimeter über Sicherheit und Produktqualität. Fehlerhafte Zerspanung kann gravierende Folgen haben.

„Die automatisierte Überwachung und Analyse der Produktionsprozesse mit KI verkürzt Prüfzeiten, senkt die Kosten und erhöht die Genauigkeit der Qualitätsbewertung erheblich“

erklärt Trauth.

Smart Factory als Zukunftsmodell

Für Harald Müller ist die Zerspanung nur ein Puzzleteil. Ziel sei die Smart Factory, eine autonome Produktionshalle, in der Roboter ohne menschliches Eingreifen fertigen. Studien zufolge lassen sich die Betriebskosten um 25 Prozent senken, die Produktivität um 30 Prozent steigern und die Fehlerquote um 40 Prozent reduzieren.

Der Aufbau sei kapitalintensiv, aber lohne sich schnell – häufig bereits im ersten Jahr durch die eingesparte Lohnsumme. Zusätzlich sorge die Flexibilität für kürzere Reaktionszeiten auf Marktveränderungen, während das höhere Qualitätsniveau die Kundenzufriedenheit erhöhe. Müller verweist auf sogenannte Autonomous Production Twins (APT), digitale Zwillinge, die Prozesse in Echtzeit analysieren, anpassen und sogar auf Engpässe oder Fehler reagieren können.

Städte unter Druck

Die Notwendigkeit smarter Städte unterstreicht die UN-Statistik: Seit 2008 leben mehr Menschen in urbanen Räumen als auf dem Land, bis 2050 sollen es rund zwei Drittel der Weltbevölkerung sein. Heute schon verursachen Städte etwa 70 Prozent des globalen Energieverbrauchs, obwohl sie nur fünf Prozent der Erdoberfläche einnehmen.

„Die wachsenden Herausforderungen bei Energie, Wasser, Luftreinhaltung und Abfall lassen sich nur durch Smart-City-Konzepte bewältigen“

erklärt Dr. Trauth.

„In Zukunft wird jede Kommune eine Smart City sein müssen.“

Marktpotenzial: Faktor zehn

Laut Diplomatic Council wird der Markt für Real-World AI langfristig zehnmal größer sein als der für Generative KI. Während Analysten den weltweiten GenAI-Markt für 2030 auf rund 200 Milliarden US-Dollar schätzen, soll Real-World AI bis dahin die Schwelle von 2 Billionen Dollar überschreiten. Der Smart-City-Markt insgesamt könnte sogar ein Volumen von 4 Billionen Dollar erreichen.

Über die Co-Chairs

Dr.-Ing. Daniel Trauth gründete dataMatters aus der RWTH Aachen heraus und machte es zu einem internationalen Akteur an der Schnittstelle von Industrie und KI. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem RWTH Spin-off Award und dem digitalPioneer.

Harald Müller gründete die BWA vor über 25 Jahren und etablierte sie als Partner für Personalentwicklung, Outplacement und Beschäftigten­transfer. Mehr als zehntausend Arbeitnehmer fanden über die BWA eine neue berufliche Perspektive.

Das Diplomatic Council verbindet Thinktank, Business-Netzwerk und Charity Foundation in einer einzigartigen Organisation mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen. Es vertritt die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg eine zentrale Grundlage für Frieden und Wohlstand darstellt.

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