Im folgenden Artikel wird der Frage nachgegangen, wie angewendete Technologien Bitcoin und die damit zusammenhängenden Dienstleistungen beeinflussen. Dieser Artikel beschreibt die technologischen Einflüsse als einer von sechs Umweltfaktoren der Umweltanalyse nach PESTEL. Die verbleibenden fünf Umweltfaktoren wurden ebenfalls untersucht und werden in weiteren Artikeln auf bitcoinnews.ch veröffentlicht. Bereits erschienen:

Politische Einflüsse auf Bitcoin, https://www.bitcoinnews.ch/4031/politische-einfluesse-auf-bitcoin/

Wirtschaftliche Einflüsse auf Bitcoin, https://www.bitcoinnews.ch/4084/wirtschaftliche-einfluesse-auf-bitcoin/

Gesellschaftliche Einflüsse auf Bitcoin, https://www.bitcoinnews.ch/4204/gesellschaftliche-einfluesse-auf-bitcoin/

 

Technologische Entwicklungen verlaufen meistens sehr schnell. Deshalb ist es wichtig, den Einflussfaktor Technik und die möglichen Trends zu analysieren, um eine Aussage darüber zu machen, welche technologischen Entwicklungen für die Zukunft des Bitcoin-Systems prägend sein werden.

 

  • Open Source: In den letzten Jahren hat der Informatik-Sektor einen Trend in Richtung Open Source Programmen erlebt. Immer mehr Software Anbieter legen ihren Quellcode offen und lassen so eine Gemeinschaft von Programmierern an der Weiterentwicklung einer Applikation teilhaben. Die oft kostenlosen oder günstigen Open Source Lösungen erfreuen sich selbst in Grossfirmen zunehmender Beliebtheit. Lizenzkosten fallen meist nur für erweiterte Funktionalitäten oder Support-Dienstleistungen an. Da der Quellcode von Bitcoin ebenfalls offen ist und somit verändert werden kann, spielt der Open Source Trend Bitcoin in die Hände, da Nutzer mit der „Programmierung in Gemeinschaft“ bereits vertraut sind. Auf diese Weise hat das um den Globus verteilte Core-Developer-Team auch schon über Nacht Probleme lösen können. So geschehen im März 2013, als sich nach dem Update auf Software-Version 0.8, die Blockchain aufgeteilt hat und es für kurze Zeit zwei getrennte Bitcoin-Netzwerke gab.

 

  • Dezentralität: Wie die oben beschriebene, verteilte Entwicklung von Software, gibt es auch verteilte Lösungen für Online-Speicher, d.h. der Speicherplatz ist auf dezentralen Rechnern und nicht auf einem zentralen Server. Es ist also generell eine Entwicklung in Richtung Dezentralität zu beobachten. Das dezentrale System von Bitcoin dürfte diesen Trend weiter beschleunigen. Auch deshalb, weil dezentrale Systeme sicher vor Hackerangriffen sind. Da das Bitcoin-Netzwerk keinen zentralen Server hat, kann es nicht durch Fremdeinflüsse ausser Funktion gesetzt werden.

 

  • Datenvolumen: Seit die Kosten für Speichermedien gesunken sind, werden immer mehr Daten gespeichert und das weltweit zu verwaltende Datenvolumen nimmt schnell zu. Wenn sich das Zahlen mit Bitcoin nun immer grösserer Beliebtheit erfreut, nimmt auch das Datenvolumen aufgrund der generierten Transaktionen zu. So fällt bei 10 Millionen Bitcoin-Benutzern für jede 250 Byte grosse Transaktion ein Datentransfer- und Speichervolumen von 2,5 Gigabyte an. Zum Vergleich, im Jahr 2008 wurden in Deutschland ca. 435 Millionen Kreditkartentransaktionen ausgeführt. Die mittlerweile bereits 9 GB grosse Blockchain muss bei der Nutzung eines lokalen Wallets auf den Computer geladen werden. Deren Download kann bei der ersten Inbetriebnahme lange dauern. Die zukünftige Verarbeitung solcher Datenmengen sollte beachtet und im heutigen System berücksichtigt werden.

 

  • Smartphone Apps: Die Apps auf den heutzutage verwendeten Smartphones sind nicht mehr wegzudenken und es werden immer mehr. Anstatt im Internet auf eine Webseite zugreifen zu müssen, bevorzugen viele Nutzer die entsprechende App. Bereits im Jahre 2011 wurden die ersten Bitcoin-Wallets für Android und iOS veröffentlicht, was es den Benutzern ermöglicht jederzeit und überall mit Bitcoin zu bezahlen. Die Nachfrage und die schnelle Verbreitung von Mobile Apps begünstigt auch die Bitcoin-Zahlungen positiv. Ein iPhone-Besitzer stösst bei iTunes vielleicht zufällig auf eine App eines Wallet-Anbieters und wird so zum Bitcoin-Nutzer.

 

  • Transaktionsbestätigung: Dass die Idee von Bitcoin, mittels öffentlicher Buchhaltung zur Verwaltung von Besitz, nicht neu ist, zeigt ein sehr altes Zahlungssystem, das auf der mikronesischen Insel Yap eingesetzt wurde. Die Einwohner der kleinen Insel haben als Zahlungsmittel sehr grosse und schwere Rai-Steine verwendet. Aufgrund einer fälligen Zahlung, wechselte ein Stein den Besitzer und die gesamte Bevölkerung wurde darüber informiert und merkte sich im Kollektiv, wem welcher Stein gehört. Das Prinzip des globalen Gedächtnis wird bei Bitcoin mit der Blockchain umgesetzt. Was auf der Insel Yap über Jahrhunderte funktionierte, kann auch bei einer heutigen, digitalen Währung, gut eingesetzt werden. Es war deshalb höchste Zeit dieses Konzept in neuzeitliche Technologien zu integrieren, was im Fall von Bitcoin sehr gut gelungen ist. Zahlungsübermittlungen mit Bitcoin sind sicherer als andere z.B. Kreditkartenzahlungen, da jede Transaktionen vom Bitcoin-Netzwerk bestätigt wird.

 

  • Kryptographie: Kryptographie ist eine Technik zur Datenverschlüsselung, mit dessen Hilfe ein hohes Mass an Sicherheit geboten werden kann. Im Falle von Bitcoin wird Kryptographie verwendet, damit Wallets nicht ohne Passwort verwendet werden können oder die Blockchain nicht manipuliert wird. Die verschiedenen Sicherheitsstandards haben sich in den letzten Jahren laufend erhöht, sodass davon ausgegangen werden kann, dass Bitcoins immer nach neuesten Verschlüsselungstechniken gesichert sind.