Im folgenden Artikel wird der Frage nachgegangen, wie gesellschaftliches Verhalten Bitcoin und die damit zusammenhängenden Dienstleistungen beeinflussen. Dieser Artikel beschreibt die gesellschaftlichen Einflüsse als einer von sechs Umweltfaktoren der Umweltanalyse nach PESTEL. Die verbleibenden fünf Umweltfaktoren wurden ebenfalls untersucht und werden in weiteren Artikeln auf bitcoinnews.ch veröffentlicht. Bereits erschienen:

Politische Einflüsse auf Bitcoin, https://www.bitcoinnews.ch/4031/politische-einfluesse-auf-bitcoin/

Wirtschaftliche Einflüsse auf Bitcoin, https://www.bitcoinnews.ch/4084/wirtschaftliche-einfluesse-auf-bitcoin/

 

Der gesellschaftliche Einflussfaktor befasst sich mit Gegebenheiten, die auf die Verwendung und Verbreitung von Bitcoin einen Einfluss haben könnten.

 

  • Digitalisierung: In der heutigen Zeit findet das Leben teilweise in der digitalen Welt statt. Einkäufe werden Online über Internet-Portale getätigt, der Zahlungsverkehr mittels E-Banking erledigt oder die Zeitung auf dem Tablet gelesen. Gerade für die junge Generation, die in der Online-Welt aufwächst, kann eine digitale Währung und dessen Nutzung als Selbstverständlichkeit angesehen werden oder anders gesagt, hat es in der heutigen Zeit durchaus Platz für eine Währung wie Bitcoin. Das lässt für die zukünftige, weitere Verbreitung von Bitcoin und ähnlichen virtuellen Währungen hoffen.

 

  • Bekanntheitsgrad und Fachwissen: Solange Bitcoin immer noch von wenigen Nutzern verwendet wird und auch die Dienstleister, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, noch in der Minderheit sind, wird diese Währung unter der breiten Masse kaum Bekanntheit erlangen. Das Wissen bzgl. Existenz und Verwendung sind auf wenige Nutzer verteilt. Wenn es darum geht Zusatzdienstleistungen zum Thema Bitcoin zu definieren und umzusetzen, fehlen Arbeitskräfte mit dem nötigen Wissen. Um eine innovative Lösung auf dem Markt zu etablieren, braucht es eine Symbiose von Investoren, Marktkennern als Ideengeber und Fachwissen. Dieses Zusammenspiel von Fachkräften mit dem entsprechenden Wissen scheint noch mangelhaft zu sein. Ausser den beiden bekannten amerikanischen Zahlungsdienstleistern „BitPay“ und „Coinbase“, hat es noch keine Firma geschafft ein Produkt oder Dienstleistung rentabel auf den Markt zu bringen.

 

  • Einfachheit und Sicherheit: Es ist eine bekannte Tatsache, dass sich nur Dinge schnell verbreiten, die in der Anwendung einfach sind und von den Nutzern ohne Risiko verwendet werden können. Viele Bahnreisende erachten es offensichtlich immer noch als zu kompliziert, ein Billett aus den bereit stehenden Automaten zu beziehen, was zu Warteschlangen an den Schaltern führt. Ein Geldbezug am Bankomaten hingegen geht schnell, funktioniert einwandfrei und wird scheinbar von der Mehrheit der Bevölkerung als einfach und sicher angesehen. Ihre weltweite Verbreitung erstaunt deshalb nicht. BTC-Automaten an denen auf die gleiche Art und Weise Bitcoins gekauft werden können, sind erst langsam im Vormarsch. Wie kompliziert der Kauf und Nutzung von Bitcoin ist, beschreibt das Kapitel 2.4 detailliert.

Auf die Frage nach Eintrittsschwellen für Dienstleister in den Bitcoin-Markt, nennt der Bitcoin-Experte Dorian Credé folgende Punkte: „Unwissen dass Bitcoin existiert; sehen Risiken; wissen nicht, dass es sicherer und günstiger ist, als Zahlungen mit Kreditkarten; Imageproblem aufgrund negativer Presseberichte und Zerfall von Mt. Gox; wird von niemandem verständlich erklärt, so ist das Bitcoin-System für viele Dienstleister immer noch viel zu kompliziert.“

 

  • Vertrauen, Transparenz und Mitbestimmung: Ein gewisse Vertrauen findet sich auch dort, wo Transparenz besteht oder die Leute gar mitbestimmen können. Das ist bei Bitcoin insofern der Fall, als sowohl der Quellcode des Bitcoin-Systems nach dem Open-Source-Prinzip frei zugänglich ist, als auch die dahinter stehende Logik von Nakamoto beschrieben ist. Der Bitcoin-Client kann kostenlos heruntergeladen und installiert werden, um sich an der Validierung von Transaktionen zu beteiligen. Wollte man den Code und damit das Bitcoin-System verändern, müssten alle Nutzer einverstanden sein, das gibt den Beteiligten das Gefühl von Mitbestimmung. Gemäss Meisser war dieses dezentrale System als Gegenbewegung zur zentralisierten Macht der Regierungen, denen die Bevölkerung vertrauen muss, genau das, was der Systemkritiker Satoshi Nakamoto erreichen wollte.

In einem bestimmten Rahmen bietet Bitcoin die Möglichkeit nach Transparenz und Mitbestimmung, was sich positiv auf die weitere Verbreitung auswirken dürfte. Laut Credé (2014) hat Bitcoin in Ländern, in denen das Vertrauen in den Staat, die Banken und die Währung fehlt, grössere Chancen sich durchzusetzen.

 

  • Spielerei: Der Trend nach Spielerei, z.B. mittels Internet-Spielen, Play-Station, usw., kommt der Bitcoin-Entwicklung entgegen. Selbst wenn sich Bitcoin nicht als echte Währung durchsetzen kann, es werden sich immer Leute finden, die Gefallen an dieser Art der Spielerei finden. Neben dem Spieltrieb in Form von Online-Pokerspielen und Glücksspielen, nennt der Präsident der Schweizer Bitcoin Association, Luzius Meisser, die Freude an der Technologie, die ihn und seine Kollegen dazu antreiben als Wegbereiter zur Nutzung von Bitcoin aufzutreten.

 

  • Anonymität: Gerade in Zeiten der gläsernen Gesellschaft, in der persönliche Informationen, wie z.B. Aufenthaltsorte, bekannt sind und gespeichert werden oder Bankkundendaten an andere Länder geliefert werden müssen, wird die Anonymität wieder vermehrt geschätzt. Ein Bitcoin-Konto besteht aus einer Zahlen- und Buchstabenkombination und lässt, ähnlich wie ein Nummernkonto, keinen Rückschluss auf den Besitzer zu, was auch zu kriminellen Handlungen genutzt werden kann.

Dass die Welt solchen kriminellen Machenschaften ausgeliefert ist, zeigt auch die Tatsache, dass ein gleiches Geschäft wie Silk Road wieder aufgebaut wurde und Silk Road 2.0 nur ein Jahr nach der ersten Schliessung, wieder aufgeflogen ist. Rund 150’000 Nutzer sollen monatlich ca. 6 Millionen US Dollar umgesetzt haben. Neben dem Drogenhandel soll auch mit gefälschten Ausweispapieren und Auftragsmördern gehandelt worden sein. (sda 2014)

Auch Schwarzgelder könnten auf ein Bitcoin-Konto verschoben und so, weiss gewaschen werden. Fällt bei einem herkömmlichen Bank-Konto, eine Verschiebung hoher Geldmengen auf und kann der Konto-Besitzer kontaktiert werden, ist bei einem Bitcoin-Konto ein Rückschluss von wem oder woher das Geld stammt, unmöglich. Da helfen auch die staatlichen Weissgeldstrategien nicht weiter. Die Schweiz hat laut Dorian Credé eine fortgeschrittene Weissgeldstrategie, was er in Bezug auf die Nutzung von Bitcoin in der Schweiz als Vorteil sieht, jedoch in obiger Problematik nicht weiterhelfen dürfte.