Di. Jun 18th, 2024

Wer mit seinem Kapital an einer sozialen und nachhaltigen Zukunft beitragen möchte, führt es Unternehmen zu, die nach entsprechenden Prinzipien handeln. Allerdings nehmen es viele mit diesen Prinzipien nicht so genau, und auch viele Vermögensverwalter scheuen im Bemühen, sowohl liberale als auch konservative Anleger zufriedenzustellen, ein konsequentes Handeln. Stuart Forbes, Mitgründer des thematischen ETF-Anbieters Rize ETF, setzt sich im nachfolgenden Kommentar mit der Frage auseinander, wie Engagement durch Investment wirksam sein kann.

Konzepte wie Impact Investing, ESG und auch das Engagement wurden allesamt mit Hinblick auf ein Ziel entwickelt: Durch gezielte Investitionen nachhaltige Entwicklungen zu unterstützen. Wie die Praxis jedoch zeigt, ignoriert ein grosser Teil börsennotierter Unternehmen solche Nachhaltigkeitsbemühungen und ist nicht bereit, sich wirksam zu engagieren, Transparenz zu bestimmten Themen zu schaffen oder seine Leistungen hinsichtlich entscheidender Umwelt- bzw. Sozialindikatoren zu verbessern.

Stattdessen werden Verbesserungsvorschläge von Investoren und Vermögensverwaltern oftmals nicht sinnvoll erwidert oder gar ignoriert. Das ist frustrierend, denn viele der grösseren börsennotierten Unternehmen haben eigentlich die Ressourcen, um die Dinge zu ändern, und beispielsweise allgemeine Geschäftspraktiken, Beschaffungspraktiken für Rohstoffe oder Beziehungen zu den Mitarbeitern zu verbessern.

Interessenkonflikte hemmen

Grundsätzlich stehen Investoren – und damit auch den Vermögensverwaltern – mehrere Optionen zur Verfügung, um Impulse zur Änderung eines solchen Verhaltens zu setzen – von der öffentlichen Äusserung von Bedenken über die Ausübung von Aktionärsrechten bei Abstimmungen bis zur vollständigen Veräusserung der Positionen des Unternehmens als letzter Schritt.

Je nach Vermögensverwalter oder Struktur des jeweiligen Fonds bzw. ETF stehen jedoch nicht alle mögliche Optionen zur Verfügung. Das liegt auch daran, dass unter den Kunden der Verwalter unterschiedliche Meinungen bezüglich ESG- und Nachhaltigkeitsfragen herrschen. Viele Anbieter von passiven Fonds haben wiederum keinen Einfluss auf die Gestaltung der zugrundeliegenden Indizes und somit auch keine Entscheidungsmacht, sich von einzelnen Unternehmen zu trennen. Aus diesen Gründen spielen einige Vermögensverwalter die Rolle, die wesentliche Teile des Engagement-Instrumentariums spielen können, herunter.

Kein Engagement ohne Desinvestition – und umgekehrt

Fakt ist auch, dass die Desinvestition – das Abstossen der Positionen eines nicht nachhaltig handelnden Unternehmens – alleine selten funktioniert, genauso wie Engagement ohne die Androhung von Desinvestition (bisher) nicht zu einer umwelt- und verantwortungsbewussteren Welt geführt hat. Man benötigt vielmehr das komplette Instrumentarium: die Nachricht an das Unternehmen, das Veröffentlichen von Mitteilungen über schlechte Leistungen oder mangelnde Transparenz, die Möglichkeit des öffentlichen Anprangerns, das Ausüben von Stimmrechten bis hin zur letzten Eskalationsstufe: der Desinvestition.

Gezielte statt allgemeine Statements

Ein Grund, warum herkömmliche Engagement-Programme bislang oft unwirksam waren, ist die mangelnde Bereitschaft von Vermögensverwaltern, mit unternehmensspezifischen Anliegen an die Öffentlichkeit zu gehen. Dem Engagement fehlt es dadurch an Biss, und die zugehörigen Statements der Vermögensverwalter sind zu allgemein – und zum Beispiel eher an eine gesamte Branche statt an einzelne Unternehmen gerichtet – um angemessenen Druck auf Unternehmen auszuüben.

Um dies zu ändern, müssen Vermögensverwalter, die schliesslich die grössten Anteilseigner von börsennotierten Unternehmen sind, ihren Einsatz steigern. Wir sind zugleich auch der Ansicht, dass Unternehmen eine faire Chance erhalten sollten, ihr Verhalten zu verbessern, bevor Investoren gravierende Massnahmen ergreifen. Wenn jedoch auch auf transparente Mitteilungen an das Unternehmen keine Antwort erfolgt oder keine Massnahmen ergriffen werden, ist es an der Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Öffentlichkeit bringt mehr Druck – und grundlegende Veränderung in nur wenigen Jahren

Denn ein grosses börsennotiertes Unternehmen kümmert sich um nichts mehr als um sein sorgfältig gepflegtes, öffentliches Image und kann es sich nicht leisten, eine öffentliche Erklärung zu ignorieren – insbesondere dann nicht, wenn sie von einem grossen Vermögensverwalter kommt. Eine wirksame Erklärung kann ein Unternehmen zum Handeln aufrütteln, wenn alle anderen Bemühungen fehlgeschlagen sind und gleichzeitig eine weitere Eskalation vermeiden – eine Eskalation, die sich erst danach in der Veräusserung der Positionen ausdrücken sollte.

Solche Massnahmen können zwar für viele Vermögensverwalter aufgrund der potenziellen Konflikte und unterschiedlichen Ansichten ihrer Kunden unangenehm, weshalb auch nicht oft auf die zurückgegriffen wird. Dennoch ist es von entscheidender Bedeutung, dass die grossen Asset Manager der Welt sich dieser Herausforderung stellen und alle Möglichkeiten aus dem Instrumentarium des Engagements nutzen, um den Druck auf die Unternehmen zu maximieren, damit sie ihre Transparenz und ihre Leistung bei bestimmten Themen verbessern. Auf diese Weise könnten sie die Welt in nur wenigen Jahren grundlegend verändern.

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