Do. Jun 30th, 2022

Warum noch kaum eine Neo-Bank profitabel ist, kann man sich ruhig einmal fragen. Denn aktuell arbeiten gerade mal zwei der 25 größten Neo-Banken kostendeckend. Einen Gewinn erzielen weniger als fünf Prozent der 400 Neo-Banken.

Vorbild Wise und Revolut

Obwohl sich Neo-Banken anders als herkömmliche Banken am Markt platzieren wollen, kommt es oft zu Vergleichen, welche das Bild ordentlich verzerren. So liegen die von der Fantasie angetriebenen Investoren-Ratings von Neo-Banken mal schnell weit höher als jene von etablierten Geldinstituten wie etwa der Deutschen Bank oder der Commerzbank. Während die Bewertungen einer Neo-Bank aber nur die Sicht von ein paar wenigen Investoren reflektieren, wird die Bewertung einer klassischen Bank Tag für Tag von Tausenden Anlegern an der Börse definiert.

Bei klassischen Banken werden die Bewertungen durch tatsächliche Fakten wie Geschäftsgang oder erzielte Gewinne definiert, bei Neo-Banken jedoch nicht. Diese wachsen zwar schnell, arbeiten aber in den meisten Fällen nicht rentabel.

Kaum eine Neo-Bank arbeitet kostendeckend

Aus den Analysen der Strategie- und Marketingberatungsagentur „Simon-Kucher & Partners“ geht hervor, dass weniger als fünf Prozent der weltweiten Neo-Banken kostendeckend arbeiten. Die Agentur trackt für ihren „Global Neo-Banking-Radar“ weltweit Neo-Banken und prüft diese auf Faktoren wie das Aktivitätsniveau, die Finanzierung oder die Bewertung.

Laut der jüngsten Analyse der Agentur gibt es weltweit um die 400 Neo-Banken, welche etwas mehr als eine Milliarde Kundenkonten betreuen, darunter Privatpersonen oder mittelständische Unternehmen. Doch auch nach mehr als 10 Jahren seit dem Beginn des Neo-Banking-Hypes ist kaum ein FinTech rentabel, gerade mal 25 der größten Neo-Banken arbeiten kostendeckend. Die Erträge pro Kunde liegen auch bei renommierten Neo-Banken im Durchschnitt nur bei rund 28 Euro pro Jahr.

Traditionelle Banken sind in viele Neugründungen involviert

Trotz der geringen Profitabilität drängen immer mehr Neo-Banken in den Markt. Die Zahl der Neugründungen zeigt zwar eine fallende Tendenz, aber verharrt dennoch auf einem relativ hohen Niveau (94 Neugründungen in 2020 im Vergleich zu 59 Neugründungen in 2021). Interessant ist, dass es sich bei jeder dritten Neugründung um reine Digitalbanken „Innovation Speedboats“ handelt, welche von Finanzdienstleistern oder herkömmlichen Banken gegründet werden. Klassische Banken nutzen die Digitalbanken als Sprungbrett, um neue Märkte oder Segmente zu erschließen.

Dieser Trend ist auch in der Schweiz erkennbar. Zahlreiche Neo-Banken wie CSX oder Yuh stehen in Zusammenhang mit renommierten Banken wie Credit Suisse, Swissquote oder Postfinance. Gespannt wird am digitalen Markt auch auf die Antwort der UBS gewartet.

Auf lange Sicht profitabel

Vor allem Neo-Banken von privaten Investoren wachsen enorm schnell. Diese Expansion ist kostspielig und Investoren werden einen langen Atem brauchen, bis ihre Neo-Banken Profit abwerfen. Neo-Banken von etablierten Geldinstituten profitieren in diesem Fall und können sich auf die Finanzkraft ihrer Mütter verlassen. Ziel beider Arten von Neo-Banken ist es aber, dass diese so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen und profitabel arbeiten.

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