Di. Dez 6th, 2022

Kriege und Krisen treiben die Inflation weltweit neuen Rekorden entgegen. Besonders schwer hat es den Libanon getroffen. Deshalb hat sich der Internationale Währungsfonds entschieden, ein milliardenschweres Hilfsprogramm aufzulegen. Der Kredit in Höhe von rund 2,75 Milliarden Euro (3 Millionen US-Dollar) soll es ermöglichen, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Libanesische Lira praktisch wertlos

Dies ist auch bitter nötig, denn die Krise im westasiatischen Land spitzt sich immer weiter zur. Bereits jetzt sind rund drei Viertel der Bevölkerung verarmt. Dies liegt auch daran, dass sich die Menschen keine Lebensmittel kaufen können – die libanesische Lira hat bereits 90 % an Wert verloren. Darüber hinaus ist auch die Inflationsrate bereits auf 200 % angestiegen. In der Folge verlassen immer mehr Bürger das Land, was eine Spirale der Arbeitslosigkeit und Armut in Gang setzt.

Nadschib Mikati, seines Zeichens libanesischer Regierungsoberhaupt, begrüßt die Hilfe des IWF. Man werde das Geld verwenden, um notwendige Prozesse anzustoßen und die Wirtschaft anzukurbeln. Denn: Der Kredit ist an Auflagen gebunden. So wird das Darlehen nur dann bewilligt, wenn sich das Land reformwillig zeigt. So müssen Banken restrukturiert und Stresstests unterzogen werden. Ob dies gelingt, ist jedoch fraglich. Unabhängige Experten zeigen sich skeptisch, dass der Libanon diese Aufgabe gestemmt bekommt. Bislang blieben die notwendigen Signale aus. Verantwortlich dafür sei die in elitären Kreisen weitverbreitete Korruption.

Es ist zu hoffen, dass auf vollmundige Ankündigungen nun Taten folgen. Bereits im Frühjahr 2020 verzeichnete der Libanon seinen ersten Zahlungsausfall. Steht ein Staatsbankrott bevor? Um die eigene Bevölkerung vor größerem Unheil zu bewahren, muss die Staatsführung jetzt handeln. Mittlerweile können sich immer weniger Mensch das Fastenbrechen im Ramadan leisten, was für Unzufriedenheit sorgt. Ähnlich schlecht sieht die Lage in Bezug auf die Versorgung mit Strom aus. Die meisten Haushalte werden nur noch für ein paar Stunden am Tag versorgt.

Die verheerende Katastrophe im Hafen von Beirut im Sommer 2020 hat die Krise sicherlich befeuert. Der Libanon befand sich aber schon vorher in Schwierigkeiten und sollte alles daran setzen, weitere Zahlungsausfälle in Milliardenhöhe abzuwenden. Der IWF Kredit kann allerdings nur dann zur wirtschaftlichen Stärkung verwandt werden, wenn das Level an Korruption abgesenkt wird.

By Christian Mäder

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