Die türkische Währung kennt momentan nur eine Richtung: abwärts. Experten prognostizieren, dass sich diese Talfahrt fortsetzen wird. Was sind die Auslöser für den aktuell drastischen Wertverlust?

Verschiedene Faktoren beeinflussen momentan den Kursverlust. Zum einen sorgen die politischen Spannungen zwischen der Türkei und den USA für Verunsicherung. Sowohl Einwohner als auch Investoren ziehen ihr Geld aus der türkischen Devise in andere Vermögenswerte ab. Die hohe Inflation führt dazu, dass mehr Geld in inflationsstabile Assets wie Gold oder Bitcoin fliesst.

Auch die Verkündung des türkischen Präsidenten, dass falls notwendig weitere Devisenreserven verkauft werden könnten, sorgt für Verunsicherung. Devisenreserven sind Reserven eines bestehenden Wirtschaftssystem an international gängigen Fremdwährungen. Diese tragen dazu bei, das eigene Wirtschaftssystem zu stabilisieren. Der Verkauf von weiteren türkischen Devisenreserven könnte den Wechselkurs der Lira weiter destabilisieren. Allerdings besass die Türkei nie grosse Bestände an Devisenreserven, somit sehen Experten den möglichen weiteren Verkauf als nicht massgeblich an.

Der Wechselkurs der türkischen Lira zu Euro hat sich in den letzten drei Jahren halbiert. So hat man vor drei Jahren für fünf Lira einen Euro bekommen. Heute müssen bereits knapp zehn Lira auf den Tisch gelegt werden. Investoren sorgen sich davor, dass der neue Zentralbankchef die Zinsen senken könnte. Alleine in den letzten zwei Wochen zogen Investoren aus diesem Grund mehr als zwei Milliarden US-Dollar aus der Türkei ab.

Der Devisenanalyst der Commerzbank, Tatha Gose, geht davon aus, dass sich der Kursabfall in nächster Zeit fortsetzen wird. Gegen Ende des dritten Quartals 2021 geht er davon aus, dass zehn Lira die Kaufkraft von nur noch einem US-Dollar haben werden. In diesem Fall würde der Kurs um weitere 20 Prozent einbrechen. Die Zukunft rund um die Lira wird spannend bleiben, momentan ist aber kein Ende der Kursverluste in Sicht.