Das Berliner Fintech-Unternehmen Solarisbank plant den Gang an die Börse: Die erst im Jahre 2016 gegründete Solarisbank hat sich inzwischen zu einem Berliner Vorzeige-Blockchain-Unternehmen gemausert. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Bank bald den Weg an die Börse antreten möchte. Da die Solarisbank seit Anfang 2019 Services rund um Bitcoin anbietet, ist der Gang an die Börse besonders spannend: Die bisherige Planung sieht dafür die Spac-Methode vor, aber was ist das?

Bei Spac lässt sich ein operativ tätiges Unternehmen von einem an der Börse notierten „Firmenmantel“ übernehmen, der in neudeutsch mit „Special Purpose Acquisitions Company“ bezeichnet wird, was sogleich die Bedeutung des Akronyms erklärt. Mit der Einleitung des Prozesses wird die Solarisbank aller Wahrscheinlichkeit nach demnächst eine grosse Investmentbank beauftragen. In diesem Zuge soll aber auch geprüft werden, ob der Börsengang möglicherweise durch einen klassischen „Initial Public Offering“ (IPO) erfolgen kann. Auf jeden Fall ist Anfang 2022 mit dem Börsendebüt zu rechnen.

Wie hoch ist die Solarisbank zu bewerten?

Bei der Festlegung des Unternehmenswertes könnten sich die Geister scheiden. Im Zuge der Finanzierungsrunde im Sommer 2020 wurde der Spezialist in Sachen „Banking as a Service“ mit circa 320 Millionen Euro bewertet und stand damit noch hinter den Fintech-Unternehmen Penta, Trade Republic, Bitwala oder Kontist. Seitdem hat die Solarisbank ein fulminantes Wachstum hingelegt, weist sie doch für 2020 Erträge von 35 Millionen Euro aus, das ist gegenüber 2019 eine Steigerung von 83 Prozent.

Auf Basis eines Spac-Deals geht die Solarisbank nun von einer Bewertung aus, die mehr als eine Milliarde Euro betragen wird.

Dabei ist die Zeit jetzt günstig, denn viele Spacs suchen zurzeit händeringend seriöse Investmentziele. Die Bewertungen von Payment-Fintechs wie Checkout oder Klarna haben in den letzten zwei Jahren geradezu einen Raketenstart hingelegt, sodass diese Unternehmen für die meisten Spacs schlicht zu teuer geworden sind.

Die BaFin ist einzubeziehen

Obwohl gerade in letzter Zeit gleich mehrere Spacs ihr Interesse an der Solarisbank bekundet haben, will das Fintech-Unternehmen nichts überstürzen. Wie die Finanzaufsicht BaFin die Pläne bewertet, ist überdies alles andere als klar. Ein Stolperstein könnte darin bestehen, dass im Zuge des Börsengangs ein weiterer Investor mehr als zehn Prozent an sich reissen könnte. In diesem Fall würde ein langwieriges Inhaber-Kontrollverfahren anzustossen sein.

Kann es auch etwas mehr sein?

Inzwischen ist der Kapitalbedarf der Solarisbank relativ überschaubar geworden. Ihr angestrebtes organisches Wachstum könnte durchaus auf der Grundlage einer weiteren Kapitalerhöhung in der Grössenordnung von 100 Millionen Euro realisiert werden. Erst dann, wenn die Solarisbank selbst Übernahmen in Erwägung ziehen würde, wären grössere Finanzspritzen vonnöten und die Präsenz an der Börse ausserordentlich vorteilhaft.

Im Übrigen könnte es sich als Vorteil erweisen, wenn die Solarisbank in der Lage wäre, Anteile von Altinvestoren zurückzukaufen, was in der Branche unter dem Stichwort „Secondaries“ läuft. Insofern kann das zufliessende Kapital gar nicht gross genug sein.