Die Philanthropie, also unser menschenfreundliches Denkens und Verhalten zum Wohlergehen unserer Mitmenschen, war schon seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte ein fixer Bestandteil unseres Daseins, und daran hat sich bis heute grundsätzlich nichts geändert.

Auch in der Schweiz gibt es neben den großen Organisationen wie dem Roten Kreuz oder SOS-Kinderdorf auch noch viele weitere Wohltätigkeitsorganisationen, die tagtäglich große, unverzichtbare und zum Teil auch unbezahlte Arbeit für unser aller Gemeinwohl verrichten. Aber selbstverständlich sind fast alle diese Hilfsorganisationen auf umfangreiche Spendentätigkeit der Öffentlichkeit angewiesen.

In einer sich schnell verändernden Welt ergeben sich jedoch auch immer wieder neue Spendenmöglichkeiten. Natürlich wird es auch zukünftig möglich sein, Spenden von herkömmlichen Bankkonten an Hilfsbedürftige zu überweisen, jedoch bestehen seit dem Aufkommen der digitalen Währungen – wie zum Beispiel Bitcoin – alternative Möglichkeiten, Gelder an Notleidende zu überweisen. Es entstanden die sogenannten „Kryptowährungs-Hilfsfonds“, die sich mittlerweile steigender Beliebtheit erfreuen und in einigen Bereichen schon recht verbreitet sind. Deren Vorteile liegen vor allem in der schnellen und unbürokratischen Art der Überweisungen und der damit verbundenen sofortigen effektiven Hilfe in Krisensituationen.
Aber können diese digitalen Gelder wirklich die altbekannte Art der Spende ersetzen? Wir liefern Ihnen in diesem Artikel einen detaillierten Blick in die Welt der Kryptospenden und versuchen der Annahme nachzugehen, ob diese der beste, neue Weg sein wird, um zukünftig Gelder für wohltätige Zwecke zu spenden.

Die Vermeidung korrupter Finanzsysteme

Das verheerende Unglück im Hafen von Beirut im August 2020, verursacht durch die Explosion von tausenden Tonnen Ammoniumnitrat, bei dem mehrere hunderte Tote zu beklagen waren, zerstörte in nur wenigen Augenblicken fast die gesamte Hauptstadt des Libanons. Und die Schockwellen erschütterten nicht nur die betroffenen Einwohner des Landes, sondern brachten die bereits marode Wirtschaft des Landes komplett zum Erliegen.

Aber auch in diesem Fall wussten sich die Einwohner des krisengeschüttelten Landes zu helfen. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurde von einer Gruppe libanesischer Auswanderer ein Kryptowährungs-Hilfsfonds speziell für die Betroffenen diese Katastrophe eingerichtet. Die Absicht dahinter war klar, wieso gerade Kryptowährungen verwenden werden sollten: Nur so bestand die Möglichkeit das korrupte Finanzsystem des Landes zu umgehen und wirklich gezielte Hilfe für diejenigen zu garantieren, die es auch am dringendsten benötigen. Der Plan der Spender bestand darin, im Libanon Direkthändler vor Ort einzusetzen, um die lokalen Wohltätigkeitsorganisationen, wie die gemeinnützigen Organisationen „Beit el Baraka“, zu finanzieren, die sich vor allem mit der Versorgung von syrischen Flüchtlingen und Obdachlosen mit Grundnahrungsmitteln und Unterkünften bereits einen Namen gemacht hatte.

Dieser Fonds – bestehend ausschließlich aus digitalen Geldern – minimiert das Risiko vor allem in Krisengebieten, dass die getätigten Spenden im Sumpf korrupter Finanznetzwerke versickern und dadurch verloren gehen. Zusätzlich sind diese gespendeten Geldmittel so transparent aufgestellt, dass sie das Interesse für zusätzliche prominente Unterstützer, wie jenes des palästinensischen Autors und Wirtschaftswissenschaftlers Saifedean Ammous, der übrigens in diesem Zusammenhang auch Bitcoins im Wert von mehreren tausend Dollar für die notleidende Bevölkerung aufgebracht hat, wecken werden können.
Die digitalen Währungen können auf Grund ihrer dezentralen und deregulierten Beschaffenheit nur schwer in die Hände korrupter Regime fallen, sodass diese mit größerer Wahrscheinlichkeit die wirklich am stärksten betroffenen Personengruppen erreichen werden.
Dies ist wahrscheinlich der größte Vorteil, den die Kryptowährungen in Schwellenländer oder Kriegsgebieten bieten können.

Hohes Benutzervertrauen

Kryptospenden umgehen nicht nur gekonnt korrupte politische Systeme, sondern profitieren auch zumeist von der hohen Anonymität, der während des gesamten Krypto-Zahlungsprozesses gewährleistet wird.

Wir nennen Ihnen hier zwei praxisbezogene Beispiele: Wenn Sie online Einzelhandelswaren bestellen oder Gelder in ein anonymes Casino einzahlen, das sind übrigens Glücksspieltempel die lediglich Einzahlungen mit Kryptowährungen akzeptieren -, so müssen die Benutzer normalerweise nur ihre E-Mail-Adresse angeben, um die Überweisung durchzuführen zu können. Diese Anonymität gilt gleichermaßen auch für eine „Kryptospende“. Diese Art der Finanztransaktion hat ebenfalls mehrere Vorteile.
Erstens möchte ein Spender möglicherweise seine Identität aus politischen oder sozialen Gründen nicht bekannt geben, denn eventuell hegt der Spender oder die Spenderin Sympathie für eine bestimmte Sache, wird jedoch aus deren persönlichen Umfeld auf Grund bestimmter Auflagen davon abgehalten, finanzielle Beträge an eine Hilfsorganisation zu überweisen.

Und zweitens kann jede noch so kleine Spende dazu führen, dass anschließend die spendende Person permanent und unaufgefordert Anfragen anderer Wohltätigkeitsorganisationen erhält. Dieses sogenannten „Bettelbriefe“ können einige Philanthropen natürlich in ungewollt schwierige Lagen versetzen, denn entweder müssen sie dem Wunsch nach finanziellen Zuwendungen ablehnen oder dennoch Gelder für eine Sache zur Verfügung stellen, die sie eventuell gar nicht unterstützen möchten.

Faktoren wie diese führen häufig dazu, dass Spenden von wohlhabenden Personen für Wohltätigkeitsorganisationen weniger oft vorkommen als von der breiten Mittelschicht. Hier könnte die neue Anonymität im Zahlungsbereich großzügige Spenden wahrscheinlicher machen. Kryptowährungen sind mit Abstand die beste Methode hierfür.

Kostengünstig und schnell

Nicht nur kleine Einzelüberweisungen privater Donatoren haben die oben genannten Vorteile bei Kryptowährungs-Spendentransaktionen erkannt, sondern auch große Beträge können unmittelbar von gemeinnützigen Organisationen an die Notleidenden überwiesen werden, ohne dass dabei hohe Bankgebühren beim Geldtransfer anfallen.
Bereits zu Beginn der COVID-19-Pandemie kündigte UNICEF ​​ihre bisher größte Kryptoinvestition in Technologieunternehmen an, die sich der Bekämpfung des Virus verschrieben hatten. Acht Unternehmen in sieben Entwicklungsländern erhielten jeweils 125 ETH („Etherum“), was bei momentanem Kursstand einem Gegenwert von knapp 28.600 US-Dollar entspricht, um vor allem verbesserte Medizin- und Vertriebsmethoden entwickeln zu können. Daraufhin berichtete die UNICEF ​​in einer offiziellen Aussendung, dass die Überweisungen „weniger als 20 Minuten dauerten und weniger als 20 US-Dollar kosteten“ – also fielen in Summe lediglich Gebühren von 0,00009% des überwiesenen Betrages an – eine unglaubliche Ersparnis im Vergleich zu herkömmlichen Geldtransfers. Die Spenden wandern somit in die richtigen, weil wohltätigen Kanäle, und werden nicht als Futtermittel in die Rachen der großen Bankinstitute gestopft.

Vor allem die enorme Überweisungsgeschwindigkeit kommt bei Notfällen einer ganz entscheidenden Bedeutung zu. Spender und Spenderinnen können innerhalb weniger Minuten Gelder in weit entfernte Katastrophengebiete schicken. Nehmen Sie zum Beispiel Initiativen wie jene der Visa Card und Bitnation – hierbei handelt es sich um eine mit Kryptowährung aufgeladene Debit-Karte, die Flüchtlingen ausgehändigt wird und vorrangig zum Kauf lebenswichtiger Lebensmittel und Medikamente verwendet werden kann. Solche Maßnahmen „schalten den Mittelsmann aus“ und bringen die Hilfe direkt dorthin, wo sie am dringendsten benötigt wird – denn: wer schnell hilft, der hilft doppelt.

Eine unvollkommene aber dennoch schöne neue Welt

Aber wo viel Licht, da auch viel Schatten; denn die oben erwähnten Vorteile der Kryptowährungen könnten sich auch schnell in die ganz großen Nachteile verwandeln. Denn ein Mangel oder sogar gänzliches Fehlen an zentraler Autorität hat zur Folge, dass es keine wirkliche Rechenschaftspflicht gibt, falls eine Transaktion einmal schief gehen sollte. Und sollten die überwiesenen Gelder irgendwie in die falschen Kanäle fließen, so werden diese vom Empfänger mit Sicherheit missbraucht werden, anstatt dass diese Beträge dann richtigerweise an die adressierten Wohltätigkeitsorganisationen weitergeleitet werden.

Und gegenwärtig werden Kryptowährungen von nur einem verschwindend kleinen Teil unserer Bevölkerung verwendet, in den meisten Fällen ist diese Zahlungsform noch gar nicht ins Bewusstsein aller Personen eingedrungen. Während große Spendenaktionen für wohltätige Zwecke auf die Spenden von Millionen von Menschen angewiesen sind, sind Kryptowährungen der Mehrheit der Öffentlichkeit noch relativ unbekannt. Solange dies der Fall ist, ist es natürlich schwierig, Kryptowährungen als die beliebteste Spendenmethode anzusehen. Es wird noch einige Zeit vergehen, bis die digitalen Währungen das Spendenaufkommen herkömmlicher Aktionen, das jetzt (noch) über die traditionellen Banktranskationen geschleust wird, überflügeln wird können.

Die stets steigende Akzeptanz von Cyberwährungen wie Bitcoin bedeutet jedoch, dass die Kryptowelle in der Welt der Philanthropie weiter an Bedeutung gewinnen wird. Spender, die zuvor von korrupten Regimen und kostspieligen Überweisungen abgeschreckt wurden, haben jetzt eine anonyme, kostengünstige und vor allem schnelle Möglichkeit, die lebensnotwendige Hilfe dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt wird. Während das Finanzbankensystem mit den immensen Veränderungen der COVID-19-Pandemie zu kämpfen hat, sind die Kryptowährungen bereits am besten Weg, führend in der schönen neuen Welt des Geldtransfers zu werden.

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