Als der JP Morgans CEO Jamie Dimon Mitte November erklärte, dass der Coworking Space und Büroflächen-Vermieter WeWork überleben wird, kam das vielen wie eine Durchhalteparole vor. Und das zu Recht. Das Unternehmen hätte kürzlich an die Börse gehen sollen und wurde unlängst von Analysten mit einem Wert von mehr als 47 Milliarden US-Dollar bewertet. Das ist mehr als eine Verdopplung binnen zweier Jahre. Schon 2014 berichtete Forbes, dass kein Mieter von Büroflächen in New York schneller wachsen würde als WeWork. Ein sattes Geschäft witternd stellte ein Konsortium aus drei Grossbanken, dem JP Morgan angehörte, dem Büro-Start-up eine Kreditlinie von 500 Millionen Dollar zur Verfügung, die auch zu einem erheblichen Anteil, die Rede ist von mehr als 360 Millionen Dollar, abgerufen wurde.

Doch der Absturz kam schneller als vermutet: Schon im ersten Quartal des Jahres zeigte sich, dass WeWork zwar seinen Umsatz ganz erheblich steigern konnte, jedoch wuchsen im gleichen Zeitraum die Verluste rascher als der Umsatz. Nur drei Monate, nachdem es hiess, WeWork sei 47 Milliarden Dollar schwer, wurden die ersten 300 Mitarbeiter entlassen. Der CEO wurde auf Druck des Grossinvestors Softbank geschasst, der geplante Börsengang abgesagt.

Spätestens jetzt dürfte auch in der Chefetage von JP Morgan Unruhe ausgebrochen sein. Zwar war die 500-Millionen-Kreditlinie, die WeWork eingeräumt wurde, abgesichert. Doch die Absicherung bestand im Wesentlichen daraus, dass die Banken nach dem IPO Anteile erhalten sollten. Als zusätzliche Sicherheit sollte der mittlerweile ehemalige CEO mit eigenen Anteilen für die Kredite bürgen.

Weil nach den bislang vorliegenden Geschäftszahlen von WeWork unklar ist, ob in absehbarer Zeit überhaupt mit Gewinnen sinkenden Verlusten zu rechnen ist oder gar Kreditverbindlichkeiten bedient werden können, gerät Jamie Dimon von JP Morgan in Erklärungsnot. Der Bankmanager hielt selbst dann noch zu WeWorks CEO Adam Neumann, als Gerüchte die Runde machten, dass er hätte in die eigene Tasche gewirtschaftet. Inzwischen kritisieren Corporate-Governance-Experten wie Nell Minow, dass Banken wie JP Morgan in Interessenskonflikte geraten seien und einfach die Augen vor den Problemen verschlossen hätten.

Derweil muss sich Jamie Dimon die Frage gefallen lassen, wie lange er gutes Geld schlechtem hinterherwerfen will und ob der WeWork-Kredit jemals die Chance hat, zurückgezahlt zu werden.